31. Dezember 2025 · 08:00
In diesem Jahr konnte ich 7 spannende Bücher mit unterschiedlichem Gendre lesen. Alles waren auf ihre Art gut. Ich bin auch recht zufrieden damit, konnte ich doch in den vergangenen Jahren manchmal nur recht wenig lesen.
Neu ist, dass ich einzelne Beschreibungen mit einer KI überarbeitet bzw. eine sogar komplett damit erstellt habe. Auch dieser Vorgang ist interessant. Ich hatte während des Lesens über das Buch mit der KI diskutiert und es gab einige Ergänzungen und tiefere Einblicke für mich. Letztendlich hatte ich dann nur noch darum gebeten, mir meine Eindrücke für diesen Blogbeitrag zusammenzufassen. Mit ein paar kleinen Änderungen ist dann der Text entstanden.
Ich habe einen Namen – Lawrence Hill
Mein erstes Buch in 2025 und ihr kennt das Gefühl, ihr fangt an zu lesen und möchtet nicht mehr aufhören. „Ich habe einen Namen“ ist solch ein Buch.
Es ist eine fiktive Geschichte mit einem wahren geschichtlichen Hintergrund. Aminata Diallo <<Meena>> die Protagonistin, die als junges Mädchen von Slavenhändlern nach Amerika verschleppt worden ist. Ihre Geschichte, voller Qualen, Angst, Ungewissheit und dem Kampf ums Überleben, aber auch die immerwährende Hoffnung und Zuversicht auf Freiheit. Ein langer Weg von Westafrika, nach Amerika, Kanada und fast wieder zurück zu ihrem Heimatort. Er endet in London und einem unvorhergesehen Wiedertreffen mit ihrer verloren geglaubten Tochter.
Dieses Buch fällt auch unter die Kategorie „Nie wieder“ und zeigt die häßliche Fratze des Sklavenhandels und was das für die betroffenen Menschen bedeutete. Selbst heute, mehr als 200 Jahre später, sind die Auswirkungen der damaligen Zeit noch spürbar.
1984 – George Orwell
Ein Klassiker. Ich habe dieses Buch jetzt bereits mehrfach gelesen. Mit erschreckender Deutlichkeit wird die Tyrannei eines totalitären Staates deutlich. Alles wird kontrolliert, jeder Fehltritt geandet. Die Misshandlung von Körper und Geist wird deutlich zum Ausdruck gebracht. 1984 ist schon lange vorbei, es ist nicht so gekommen, wie Orwell es beschrieben hatte. Allerdings kann jederzeit der demokratische, freie Gedanke abhanden kommen und düstere Zeiten starten. Es bedarf daher der ständigen Wachsamkeit und Menschen, die sich dem Verfall der politischen Sitten entgegen stellen.
Planck – Armin Hermann
Wer kennt diesen Namen nicht: Max Planck, Begründer der Quantenphysik.
Die Bedeutung seiner Arbeit werde ich wohl nie ganz erfassen.
Doch aus seiner Biografie spricht für mich eines klar: Max Planck ist der „Godfather“ der Physik.
Eine Autorität – ohne autoritär gewesen zu sein.
Die Kurzbiografie hat mir einen neuen Blick auf Planck geschenkt – nicht nur als Wissenschaftler, sondern als Mensch, der in bewegten Zeiten Haltung bewahrte.
Und auch die Umgebung, in der all dies geschah: Deutschland zur Zeit des Kaisers – das Epizentrum der Weltwissenschaft. Ende der 20-iger Jahre im vorigen Jahrhundert stand die deutsche Wissenschaft vor erheblichen Schwierigkeiten. Planck wurde der Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und nutzte sein Amt, um die Wissenschaft im Land zu retten.
Die tragischen Ereignisse während des Zweiten Weltkriegs brachten Planck zahlreiche persönliche Verluste. Am schwersten wog dabei die Ermordung seines Sohnes Erwin Planck, der möglicherweise in das Hitler-Attentat verwickelt war.
Als Planck nach dem Zweiten Weltkrieg gefragt wurde, ob die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft seinen Namen tragen dürfe, willigte er ein.
Er tat dies nicht aus Eitelkeit, sondern aus dem tiefen Wunsch heraus, die Wissenschaft in Deutschland zu bewahren.
Und so bleibt er uns in Erinnerung, ohne alles verstehen zu müssen.
Die letzten Tage von Pompeji – Edward Georg Bulwer-Lytton
Ein Buch, geschrieben vor ca. 200 Jahren, über ein Ereignis, fast 2000 Jahre zuvor. Aber was für eine Geschichte, was für eine Dynamik. Das Buch fängt aus meiner Sicht recht langweilig an. Dann jedoch entspinnt sich eine Geschichte um ein Liebespaar, die Geschwindigkeit der Ereignisse nehmen von nun an zu, Eifersucht, Freud, Leid, Intrigen, Trauer, Mord, bis hin zur Vollstreckung des Urteils, um dann plötzlich in der Katastrophe, im Untergang Pompejis, zu enden.
Die beiden Liebenden können all dem entfliehen, ein Happy End. Die Katastrophe konnte man schon anhand des Titels erahnen, die Geschichte selbst mit ihren Wendungen nicht. Zu Beginn dachte ich, ich werde es nicht schaffen, es zu Ende zu lesen, am Ende konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen.
Parallel dazu zeigt es das Leben von Römern und Griechen. Es ist gespickt mit den damaligen Göttern der Zeit, inklusive des aufkommenden Christentums, den Nazarenern. Ein Roman, wortgewaltig, der es wert ist, gelesen zu werden.
Unsere Welt neu denken – Maja Göpel
Das Buch wollte ich auch schon eine ganze Zeit lesen. Eigentlich wissen wir schon lange, dass wir nicht mehr so weiterleben können wie bisher. Wir produzieren in jedem Moment eine Hypothek und wir im Westen haben uns eine große Hypothek geschaffen. Es gibt aber Ansätze, um eine Zukunft zu haben, sie sind aber nur schwer durch unser Denken umzusetzen.
Technischer Fortschritt reicht nicht aus, um unsere Welt zu retten. Diese Erkenntnis ist mittlerweile über 150 Jahre alt und unter dem Namen „Jevons-Paradox“ oder später Rebound-Effekt bekannt. Jede Erfindung um Energie zu sparen, führt dazu, dass mehr Energie verbraucht wird. Die neue Technologie ist für den Einzelnen sparsamer, führt zu höherer Verbreitung und verbraucht damit in der Summe mehr als vorher. Es begann mit dem Kohleverbrauch, Anfang des 19. Jahrhunderts der Kohleverbrauch in England, bei der Erfindung der Glühbirne, der Nutzung von Erdöl, die erhöhte Motorisierung, die Größe der Autos, größere Wohnungen, usw.
Ein bekannter Effekt in der Makroökonomie ist das Externalisieren – das können wir. Aus den Augen aus dem Sinn. Europäer brauchen die Fläche von 1,5x Europa, weil sie z.B. ihren Müll exportieren. Das ist wie TEAM – toll ein anderer macht’s. Hier setzt auch die Kritik an der Berechnung des Bruttoinlandsproduktes an, da Externalisierung dort nicht vorkommt. Letztendlich verlagern wir die Kosten und die Auswirkungen auf die Zukunft und unsere Nachfahren. Der Soziologe Stephan Lessenich (Buch: „Neben uns die Sindflut“) sagt dazu: „Wir leben nicht über unsere Verhältnisse, wir leben über die Verhältnisse der anderen.“
Easterlin-Paradox, der Mensch wird ab einem bestimmten Zeitpunkt seines Besitzes nicht mehr glücklicher – Können wir.
Bei der Diskussion um nachhaltigeres Wirtschaften kommt als ein Vorschlag die einfache Entkopplung, wir senken Mithilfe von Innovation und technologischem Fortschritt den Naturverbrauch – können wir nicht. Wir brauchen hierbei immer mehr Zeit, Geld und Aufmerksamkeit – Rebound-Effekt, den können wir.
Der andere Vorschlag heißt der materielle Wohlstand muss sinken. Oh Schreck, wir müssen verzichten, worauf?
Eigentlich wollen wir in Summe gut versorgt sein. Hier aber kommt als nächstes das Versorgungsparadoxon ins Spiel. Wir wollen es immer besser haben, verwechseln es aber mit immer mehr haben. Mehr haben bringt mehr Zufriedenheit, wie wir wissen, bis zu einem bestimmten Punkt, bringt uns aber auch mehr Sorgen bis hin zu mehr Depressionen.
Insgesamt geht es um Gerechtigkeit, neben Verteilungsgerechtigkeit auch Chancengerechtigkeit. Wir, die wir schon lange, länger als unser einzelnes Leben, andere Länder ausbeuten, müssen anderen nicht verbieten, was wir Jahrhunderte getan haben. Wir, die wir mehr haben als andere, müssen unseren Reichtum gerecht verteilen. Aber es wird keinen Trickle-Down-Effekt geben.
Die Psyche des Menschen steht uns im Weg, denn trotz vielerlei Erkenntnisse und rationellem Denken, schaffen wir es nicht, all diese bekannten Effekte zu ändern. Es ist einfach schwer. Heißt es dann vielleicht doch eher: Dystropie anstatt Utopie!
The Black Arrow – Robert Louis Stevenson
Oh, was habe ich mir da angetan. Das Buch ist im Englisch Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben. Doch insgesamt konnte ich recht gut der Geschichte folgen, wenn mir auch viele Details entgangen sind. Richard Shelton trifft seine große Liebe Joanna Sedley. Jedoch bis es zur Heirat kommt, muss Richard durch ein Meer an Intrigen und den Kampf zwischen der weißen und roten Rose, York und Lancaster. Insgesamt ein schöner Roman mit historischen Bezügen.
Schöne neue Welt – Aldous Huxley
Ich habe gerade Aldous Huxleys “Schöne neue Welt” zu Ende gelesen, und ehrlich gesagt – das Buch hat mich gefesselt. Ich hatte es bereits vor vielen Jahren gelesen, dieses Mal hat es mehr an Tiefe gewonnen. Huxleys Brillanz zeigt sich nicht auf den ersten Blick. Erst beim Nachdenken über die vielen subtilen Details wird klar, wie raffiniert er die Mechanismen einer entmenschlichten Gesellschaft darstellt.
Besonders faszinierend finde ich die Figuren, die aus der Gleichförmigkeit ihrer Konditionierung auszubrechen versuchen. Sigmund Marx und Helmholtz Holmes-Watson spüren, dass etwas fehlt, aber es fehlen ihnen die Worte, die Konzepte, um zu benennen, was sie vermissen. Ihre Versuche sind hilflos, fast tragisch – sie sind gefangen in den Grenzen ihrer eigenen Entwicklung. Das System hat sie so erfolgreich geformt, dass selbst ihr Aufbegehren scheitern muss.
Was mich am meisten erschüttert hat, ist das Ende. Die Sensationslust der Menschen, die selbst Johns Verzweiflung und letztlich seinen Freitod zum Spektakel machen – das zeigt den wahren Wahnsinn dieser genormten Gesellschaft. Und das Beunruhigende daran: Es geschieht so subtil, dass wir es kaum bemerken würden. Es ist ein schleichender Prozess. Erst ist etwas schockierend, dann ungewöhnlich, dann normal, und irgendwann wundert sich niemand mehr darüber. Persönliche Krisen werden zu Content, Leiden wird zur Unterhaltung konsumiert.
Huxley zeigt uns eine Gesellschaft, die durch Vergnügen und Auslassungen kontrolliert wird – dies ist viel gefährlicher als brutale Unterdrückung. Und vielleicht sind wir schon mittendrin in diesem Prozess, nur langsamer und subtiler als im Roman.
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