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Buchkritik: Schreiben unter Strom

Meine kleine Buchkritik beschäftigt sich heute mit „Schreiben unter Strom“ von Stephan Porombka. Dieses Buch habe ich mir gekauft, um ein paar Anregungen zum schreiben von Blogs und Twitter zu erhalten. Ein wenig anders hatte ich mir das Buch schon vorgestellt, habe mich aber zunächst darauf eingelassen. Im Buch sind nämlich verschiedene Schreibaufgaben enthalten. Dies hatte ich so nicht erwartet. Ich bin kein Poet, aber auch beim Schreiben gilt anscheinend, Übung macht den Meister.

In Übung 1 ist ein Plan der eigenen digitalen Schreibwerkstatt zu erstellen. Gut, einen ersten Entwurf habe ich nun erstellt. Dieser Plan sollte mit Fortschreiten des Buches immer genauer, immer feiner gemacht werden. Porombka kam jedoch nicht mehr darauf zurück. Eventuell habe ich es überlesen oder aber es sollte selbständig geschehen, was ich aber nicht getan habe.

In Übung 2 ist ein Flarf-Zyklus zu bauen. Aber was ist eigentlich Flarf? Ohje, ich und Gedichte. Ich habe es versucht (aber nicht veröffentlicht), denke aber, dass es bei mehr Übung und Zeit auch besser gehen könnte. Sollte mir daher jemals ein brauchbares Flarf (oder sagt man Flarfgedicht) gelingen, werde ich es hier noch nachtragen.

In der 3. Aufgabe soll ein kleiner literarischer Hypertext gebaut werden. Diesen überspringe ich, er ist vielleicht sinnvoll, auf dem Weg ein ausgebildeter Autor zu werden. Mir ist dies aber zu viel.

Auch die 4. Aufgabe, SMS-Lyrik, und die 5. Aufgabe, zu twittern, sich mit 140 Zeichen auszudrücken, werde ich überspringen, denn bei Twitter bin ich nun schon einige Jahre dabei und wilde SMS-Verschickerei an irgendjemanden, vielleicht sogar an mich selbst, ist in meinen Augen auch nicht sinnvoll.

Bisher enttäuscht mich das Buch schon ein wenig. Ich denke, dass hier meine Erwartungshaltung einfach eine andere war. Trotzdem, ich lese weiter und wenn herauskommt, dass ich gar nicht zum Autoren geboren bin, auch gut, dann mach ich einfach so amateurhaft weiter. 🙂

Jetzt dreht das Buch ab. Jetzt kommt die große Literatur. Große Literatur im Twitterformat von Aciman/Rensing in Twitteratur, doch mein Ziel ist es nicht die große Literatur in einem Studium zu bearbeiten, zu transformieren, sondern einfach durch kleine (!) Übungen den Stil zu verbessern. Porombka jedoch meint, in einem aus meiner Sicht aufwändigen und zeitintensiven Prozess, Bücher zu lesen und neu zu erschaffen. Sollte ich es vorher noch nicht gewusst haben, so doch jetzt, ich möchte keinen Literaturpreis erhalten.

Und so geht es daher weiter. Übung 6, alte Literatur neu vertwittern wird übersprungen. Das nächste Kapitel, nicht Werthers Echte, sondern dessen Leiden gibt es in einer Emailfassung (Email-Roman). Dies ist sicher literarisch interessant, doch für meinen Erfolg in der elektrischen Schreibarbeit, halte ich jegliche Beschäftigung hiermit für nicht zielführend. So erleidet auch Übung 7 das zuvor beschriebene Schicksal, und ich werde keinen Email-Roman erfinden und publizieren.

Weiter geht es zur 8. Übung, Archivieren, Zusammenfassen von Emails zu einer Erzählkette, zu einer Geschichte meiner Gedanken. Auch diese Übung übersteigt meinen Willen, welchen ich in den Kauf des Buches gesteckt habe. Übung 8 entfällt daher genauso ersatzlos.

In Übung 9, ich traue meinen Augen zunächst nicht. In Übung 9 fordert mich Porombka doch tatsächlich auf, nur zur Übung, mich an einer einschlägigen Partnervermittlung – er nennt dies etablierte Form … in dem man fremde Menschen online kennen lernen kann – anzumelden und Kontakt für eine literarische Übung, einem Blackboxspiel, aufzunehmen. Nicht dass man ständig selbst durch irgendwelche armen Seelen an der Nase herum geführt wird, nein, jetzt soll ich selbst derjenige sein, der anderen etwas vormacht. Auch Übung 9 ist daher gestorben.

Das Kapitel 10 beschäftigt sich mit Blogs. Endlich ein Thema, mit dem ich mich nun schon ein paar Jahre beschäftige. Doch um es vorweg zu nehmen, auch diese Übung entfällt, da mir die Aufgabenstellung zu aufwändig erscheint. Trotzdem aber enthält diese Kapitel ein paar interessante Aussagen, die ich hier zitieren möchte.

  •  „Bloggen ist die Schreibweise der Gegenwart.“
  • „Wer einen Blog macht, macht also nichts Besonderes, sondern macht mit.“
  • Autoren „treten als emphatische Individualitäten auf, um sich offensiv voneinander zu unterscheiden.“
  • Blogger sind „Teil einer Hyperinflation der sogenannten Ichsender, die das Zeitalter der Massenmedien hinter sich gelassen haben.“
  • „Einen Blog zu machen heißt: sich die Buchkultur abzugewöhnen.“
  • Und immer „Locker bleiben“

In Aufgabe 11 wird der Blogger als Selbsterzähler eingeführt. Hierzu soll man sich ggf. auch mehrere Blogs anlegen, unten denen man seine Geschichten aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus erzählen kann. Ich habe 2 Blogs, ja, aber ich will keine Geschichten erzählen, sondern einfach über die verschiedensten Themen etwas schreiben. Themen, die mir wichtig sind, wo ich das Gefühl habe, ich will dazu etwas schreiben. Geschichten aber, nein, ich will keine Geschichten erzählen. Daher werde ich mich auch der Aufgabe 11 nicht weiter widmen.

Ab Kapitel 12 wird dann noch Facebook eingeführt. Nun, ich gehöre wohl zu den wenigen, die nicht bei Facebook sind. Vielleicht nötigt dies jetzt jemandem einen Aufschrei ab, doch ich habe bisher noch keine Notwendigkeit gesehen, mich auch noch bei Facebook zu publizieren. Auch wenn Porombka meint, dass man Facebook nur richtig einschätzen kann, wenn man dabei ist, habe ich derzeit keine Intension dies auch nur probehalber zu versuchen, zumindest nicht für dieses Buch. Daher endet spätestens hier mein Interesse an diesem Buch.

FAZIT

Wie ich schon schrieb, das Buch nahm eine andere Wendung, als ich vorher erwartete. Es ist aus einer bestimmten Sicht heraus sicher interessant. Aus meiner Sicht jedoch war es eine Enttäuschung, auch wenn ich mich einmal aus einer anderen Perspektive heraus, mit dem Thema elektrisches Schreiben beschäftigen konnte. Bevor sich jemand daher dieses Buch kauft, sollte nochmals die eigene Intension überprüft werden. Wer sich dafür interessiert, wie (elektrische) Literatur funktioniert, für den ist dieses Buch wahrscheinlich ein Zugewinn. Wer jedoch einen nicht ganz so engen Draht zur Schreibarbeit hat, wer nicht das Bedürfnis hat, Internet-Romane zu schreiben, verschiedene Identitäten im elektrischen Raum sich bewegen zu lassen, Schreibspiele (besser wäre sicherlich Übungen hierzu zu sagen) zu veranstalten, wird eventuell, so wie ich jedenfalls, von dem Buch enttäuscht werden.

(Alle Zitate wurden dem Buch „Schreiben unter Strom“ von Stephan Porombka entnommen,  Ausgabe 2012)

Ein Kommentar

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Kampf der Kulturen, Teil 3

Dies ist der abschließende Teil 3 meiner Buchkritik „Kampf der Kulturen“. In den beiden bereits erschienenen Teilen 1 und 2 wurden schon einige Ansatzpunkte genannt, um über den Westen und westliches Verhalten nachzudenken. Hier nun weitere Einblicke, andere Kulturen zu verstehen und die eigene zu reflektieren.

Im letzten Kapitel V „Die Zukunft der Kulturen“ dann folgendes, was doch mehr als nachdenklich macht:

Zeichen, die zeigen wann Kulturen ihren Höhepunkt erreicht haben, ihr goldenes Zeitalter, und vor dem moralischen Verfall stehen:

  1. Die Zunahme asozialen Verhaltens wie Kriminalität, Drogenkonsum und generell Gewalt.
  2. Der Verfall der Familie, damit zusammenhängend die Zunahme von Ehescheidungen, unehelichen Geburten, Müttern im Teenageralter, Alleinerziehenden.
  3. Zumindest in den USA der Rückgang des „Sozialkapitals“, das heißt der freiwilligen Mitgliedschaften in Vereinen, und das Schwinden des mit solchen Mitgliedschaften einhergehenden zwischenmenschlichen Vertrauens.
  4. Das generelle Nachlassen der „Arbeitsethik“ und der zunehmende Kult der vorrangigen Erfüllung persönlicher Wünsche.
  5. Abnehmendes Interesse für Bildung und geistige Betätigung, in den USA am Absinken der akademischen Leistungen ablesbar.

Auch wenn hier nun mehrmals nur die USA genannt wurde, trifft dies im gleichen Maß auch auf Deutschland zu. Hier ein paar Beispiele zu den im letzten Absatz genannten Punkte:

  1. Asoziales Verhalten ist in Deutschland auch nichts unbekanntes mehr. Ein Beispiel ist die zunehmende Gewaltbereitschaft Jugendlicher, die sich in Amokläufen und S-Bahn-Morden widerspiegelt.
  2. Über den Verfall der Familie wird auch tagtäglich geschrieben und mit Elterngeld und dem erweiterten Elterngeld für pausierende Väter gegengesteuert (Dies ist keine Kritik am Elterngeld).
  3. Engagement in Vereinen wird auf den Schultern Einzelner ausgetragen. Sprechen Sie einfach einmal mit einem Vereinsvorstand oder Abteilungsleiter darüber.
  4. Arbeitsethik wird auch in Deutschland zum Fremdwort. Sei es zum Beispiel in den frühen montäglichen Ankündigungen des Wochenendes oder des Egoismusses persönlicher Feiern bis in die Nachtstunden und der Ignoranz des eigenen Handels in der Vermüllung öffentlicher und privater Grundstücke.
  5. Das Thema Bildung in Deutschland ein Dauerthema in der Politik, unter die Räder des Föderalismusses gekommen und dem Unvermögen der Kultusministerkonferenz übergeben. Über das Schulchaos gibt es einen schönen Bericht im Spiegel vom 07.07.2010.
    Weiterhin spiegelt sich das Thema Bildung auch im Fernsehen, hautsächlich dem öffentlich-rechtlichen, wider. Hierzu wurde vor kurzem ein herrlicher Verriss in der Zeit am 29.07.2010 veröffentlicht.

Hart auch der Schluss, was wäre der Westen, und hier ist Europa gemeint ohne die USA. Es wird wirklich sehr deutlich gesagt, dass „ohne die USA der Westen zu einem winzigen, weiter schrumpfenden Teil der Weltbevölkerung auf einer kleinen, unwichtigen Halbinsel am Rande der eurasischen Landmasse“ wird.

Der westliche „Glaube an die Universalität krankt an drei Problemen: er ist falsch, er ist unmoralisch, und er ist gefährlich.“

Es ließen sich sicher noch mehr Beispiele aus dem Buch zitieren. Die, die ich genannt habe, sind mir als erstes und auch stärkstes aufgefallen.

Mein Fazit ist, das Buch ist wirklich großartig. Vielleicht muss man es auch zweimal lesen, schon wegen der vielen Fremdwörter, um es richtig oder zumindest besser zu verstehen. Trotzdem, nach dem ersten Lesen, konnte ich Bezüge zu meinem Leben, meiner Erfahrung und auch zu meiner Einstellung als Westler gegenüber anderen Kulturen feststellen. Es wurde mir klarer, warum z.B. in islamischen Ländern die Ablehnung des Westens so groß ist oder aber auch wie Westler in asiatischen Ländern gesehen werden.

Wenn man versteht, dass die westliche Kultur nicht die Spitze aller Kulturen darstellt, sondern nur eine von vielen ist, dann ist man gedanklich einen Riesenschritt weiter, zu einem friedlichen Nebeneinander und einem Akzeptieren anderer Kulturen.

(Quelle: Alle Zitate sind dem Buch „Kampf der Kulturen“ von Samuel P. Huntington entnommen)

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Kampf der Kulturen, Teil 2

Dies ist Teil 2 meiner Buchkritik „Kampf der Kulturen“. In Teil 1 wurden schon einige Ansatzpunkte genannt, um über den Westen und westliches Verhalten nachzudenken. Hier nun weitere Einblicke, andere Kulturen zu verstehen und die eigene zu reflektieren.

Ein Kulturmerkmal asiatischer Kulturen ist „die Neigung weniger explizite Kritik an anderen Ländern zu üben oder über sie zu fällen“. Über diesen Satz sollte jeder einmal nachdenken und auf sein Verhalten reflektieren. Wie oft werden in westlichen Medien (immer noch) andere Länder kritisiert. Wie das ankommt kann man sich spätestens nach dem Lesen des Buches vorstellen oder eben weiterhin ignorieren. Dem ist dann aber nicht geholfen.

Nichtwestler werfen dem Westen eine Doppelmoral vor. Verwiesen wird „auf die Unterschiede zwischen westlichen Prinzipien und westlicher Praxis. Heuchelei, Doppelmoral und ein allfälliges „aber nicht“ sind der Preis universalistischer Anmaßungen.“

Dies ist natürlich schon ein harter Vorwurf, aber als offener Westler sollte man sich die Argumente anhören und überlegen, still überlegen und nicht gleich verteidigen. Denn nun kommen einige Gründe für solcher Art Vorwürfe:

  • „Demokratie wird gelobt, aber nicht wenn sie Fundamentalisten an die Macht bringt“
  • „Die Nichtweitergabe von Kernwaffen wird für den Iran und Irak gepredigt, aber nicht für Isreal“
  • „Freier Handel ist das Lebenselixier des Wirtschaftswachstums, aber nicht in der Landwirtschaft“
  • „Die Frage nach den Menschenrechten wird China gestellt, aber nicht Saudi-Arabien“
  • „Aggressionen werden gegen erdölbesitzende Kuwaitis massiv abgewehrt, aber nicht gegen nicht-erdölbesitzende Bosnier“

Huntington nennt diese Doppelmoral, „den unvermeidlichen Preis für universalistische Prinzipien“. Und unter all diesen Gesichtspunkten sollten die nächsten Nachrichten einmal betrachtet werden, ob nicht ein Fünkchen Wahrheit drinsteckt.

Interessant sind die Unterschiede zwischen asiatischen Kulturkreisen und, von Huntington explizit genannten, amerikanischen Kultur.

Asiatische Kulturkreise

  • Betonung des konfuzianischen Ethos
  • Autorität
  • Hierarchie
  • Unterordnung der individuellen Rechte und Interesse
  • Wichtigkeit des Konsens
  • Vermeiden von Konfrontation
  • Wahren des Gesichts
  • der Supremat des Staates
  • die Gesellschaft vor dem Individuum
  • Evolution ihrer Gesellschaft in Zeiträumen von Jahrhunderten und Jahrtausenden
  • Maximierung langfristiger Gewinne hat oberste Priorität

Amerikanische Kultur

  • Primat von Freiheit, Gleichheit, Demokratie und Individualismus
  • Mißtrauen gegenüber der Regierung
  • der Autorität zu opponieren
  • das System der checks and balances zu fördern
  • Wettbewerb zu ermutigen
  • die Menschenrechte heilig zu halten (das ist ja unter Bush jr. gründlich daneben gegangen)
  • die Vergangenheit zu vergessen
  • die Zukunft zu ignorieren
  • Konzentration auf die Maximierung unmittelbarer Gewinne

Weiter in Teil 3

(Quelle: Alle Zitate sind dem Buch „Kampf der Kulturen“ von Samuel P. Huntington entnommen)

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Kampf der Kulturen, Teil 1

Nachdem ich das Buch „Kampf der Kulturen“ gelesen habe, möchte ich hier meine kleine Buchkritik bloggen. Da der gesamte Text doch etwas länger geworden ist, heute hier der erste Teil.

Leider habe ich das Buch erst 14 Jahre nach dessen erscheinen gelesen. Aber für dieses Buch gilt, besser spät als nie. Dieses Buch ist ein absolutes Muss für jeden offen und kritischen Westler. Dieses Buch hätte ich vor 16 Jahren wahrscheinlich gar nicht verstanden. Heute denke ich schon, denn die Erfahrung und die Geschichte der letzten 14 Jahre habe ich ja erlebt und kann somit, mit ein wenig Abstand, Samuel P. Huntington wahrscheinlich sogar besser verstehen. Und auch beim Lesen sollte man diesen zeitlichen Abstand immer im Hinterkopf haben, da ja doch einiges in dieser Zeit, durchaus anders als von Huntington gedacht, passiert ist.

Zunächst einmal finde ich den Titel völlig unpassend zum Inhalt. Aber hier war wohl die Zeit der Ratgeber und der Trend zum Übertreiben, zum Extremen muss sich auch im Titel ausdrücken. Dies spiegelt sich schon in den Titelbildern der deutschen und der englischen Ausgabe wider. Dann ist der Begriff des Westlers ständig ohne Kanada (zumindest kann ich mich daran nicht erinnern) definiert. Vielleicht ist dies ja der amerikanische Gedanke, wenn man von den USA spricht, ist Kanada einfach mit dabei. Es sei Huntington verziehen.

Ich bin auch froh, dass das aufgezeigte Szenario über die Entwicklung eines Weltkrieges in 2010 nicht eingetroffen ist und es derzeit auch nicht so aussieht, dass es in naher Zukunft dazu kommt. Wie es in mittlerer Zukunft oder ferner Zukunft aussieht, kann ich nicht beurteilen.

Ich möchte hier einige Stellen aus dem Buch zitieren, die mir besonders aufgefallen sind und über die es aus meiner Sicht wertvoll ist nachzudenken.

Interessant fand ich die deutsche Unterscheidung zwischen Zivilisation und Kultur. Diese Unterscheidung gibt es anscheinend in anderen Ländern gar nicht, ja wird sogar abgelehnt. In Deutschland wurde diese Unterscheidung im 19. Jahrhundert definiert und hat sich bis heute gehalten.

Auch wurde bei einigen Erfindungen damit aufgeräumt, dass diese ausschließlich im Westen gemacht wurden.

  • Buchdruck: im 8. Jahrhundert in China erfunden, die beweglichen Letter im 11. Jahrhundert. Die Technologie kam erst im 14. Jahrhundert nach Europa
  • Papier: erstmals im 2. Jahrhundert in China hergestellt und kam über Japan, Zentralasien, Nordafrika, Spanien und erst im 13. Jahrhundert nach Nordeuropa
  • Schießpulver: Im 9. Jahrhundert in China erfunden, dann den Arabern bekannt geworden und kam erst im 14. Jahrhundert nach Europa

Deutlich wird Geoffrey Parker zitiert, indem er sagt, „der Aufstieg des Westens beruhte in hohem Maße auf der Anwendung von Gewalt“. Dies ist in den Geschichtsbüchern als Imperialismus oder Ausdehnung beschrieben. Ich wette, die Geschichtsbücher nichtwestlicher Staaten stellen es anders (mit den richtigen Worten) dar, so dass es auch in den Köpfen so verankert wird.

Später dann eine Zusammenfassung westlichen Expansionsdranges: „Der Westen eroberte die Welt nicht durch die Überlegenheit seiner Ideen oder Werte oder seiner Religion, sondern vielmehr durch seine Überlegenheit bei der Anwendung von organisierter Gewalt. Oftmals vergessen Westler diese Tatsache, Nichwestler vergessen sie niemals.“ Geschrieben wurde hier hauptsächlich über die Expansion in den Jahren 1500 bis 1750. Danach wurde aber das Verhalten und die Taten nicht etwa besser.

„Jede Kultur sieht sich selbst als Mittelpunkt der Welt“, „dies gilt für den Westen vielleicht noch mehr als für andere Kulturen.“ Aber „derartige monokulturelle Gesichtspunkte verlieren in einer multikulturellen Welt zunehmend an Relevanz und Brauchbarkeit.“

„Sprengler verurteilt schon 1918 die im Westen vorherrschende, kurzsichtige Auffassung von Geschichte.“ Nachdem man das Buch gelesen hat, kann man dem nicht widersprechen und dieser Ausspruch ist mittlerweile fast 100 Jahre als. Veränderungen sind sehr langsam durchzusetzen und dies besonders in Europa.

Aber nicht nur Sprengler sondern auch Toynbee nennt es „die Provinzialität und Impertinenz des Westens mit seinen egozentrischen Illusionen, dass die Welt sich um ihn drehe.“ Huntington stellt weiterhin fest, dass die „verbreitete und provinzielle Einstellung, die Kultur des Westens sei jetzt die universelle Weltkultur, weiterhin fortleben und im 20. Jahrhundert neue Blüten treiben“ wird.

Weiter in Teil 2

(Quelle: Alle Zitate sind dem Buch „Kampf der Kulturen“ von Samuel P. Huntington entnommen)

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