Zoll und so (Teil 3) – story telling –

Im dritten Teil der vorläufige Abschluss unserer Erfahrung mit dem Deutschen Zoll. Teil 1 zeigte ja, wie naiv wir waren, Teil 2 wie wir nochmals überrascht  wurden und in Teil 3 nun kann man erfahren, wie man von mit Steuergeldern bezahlten Staatsdienern behandelt werden kann. Ich kann mir mittlerweile sogar vorstellen, es geht noch schlimmer, was in den Amtsstuben des Deutschen Zolls passiert.

Teil 2 endete, dass wir grübelnd nach Hause gefahren sind, nachdem wir zweimal wieder beim Zoll waren. Zu Hause angekommen, ging uns das Passierte nicht aus dem Kopf. Die Verpackung weggeworfen und dreist behauptet, dass sie nichts weggeworfen hätten, einfach gesagt, impertinent.

Was können wir tun?

Nach ein bisschen Überlegung, wir beschweren uns. Ein Anruf bei der Zollauskunft, das geht bei der übergeordneten Behörde, also dem Hauptzollamt Stuttgart. Wir also alles aufgeschrieben und hingeschickt. Nach 2 Wochen kam ein Brief von der Chefin, Dienstaufsichtsbeschwerde und wir nehmen ihre Beschwerde sehr ernst. Aha, also, die Gerechtigkeit nimmt ihren Lauf, mein Weltbild ein wenig gekittet. Das Wort klingt ja ziemlich gewaltig.

Dazwischen nun plötzlich ein Brief mit der Aufforderung, das Paket endlich zurückzuschicken, natürlich unter Androhung einer Strafe. Ich habe also beim Hauptzollamt nachgefragt und der Herr für Öffentlichkeitsarbeit will es klären. Gleichzeitig habe ich ihm mein Leid geklagt und er versprach, den Brief bald uns zu schicken. Weiterhin versprach er uns einen Aufschub von 4 Wochen zu geben und auch die Möglichkeit, das Paket über den Deutschen Zoll zurückzuschicken. Der erste Servicegedanke, der bisher aufgetaucht ist. Gleichzeitig empfahl er mir, uns direkt mit der Marktüberwachungsbehörde in Verbindung zu setzten und eine erneute Überprüfung zu veranlassen.

Wir wollten nicht so recht glauben, dass hier die interne Kommunikation so einfach verläuft und haben zunächst auf den weiteren Brief geantwortet. Passiert ist daraufhin nichts, war ja auch so gedacht.

Die Antwort auf unsere Beschwerde jedoch lies auf sich warten. Ich also mal wieder den Herrn für Öffentlichkeitsarbeit angerufen, es hätte ja sein können, dass ich mich verhört hatte. Aber nein, der Brief war noch nicht weggeschickt, kommt aber bald. Und dieses Mal, kam er wirklich. Was jedoch darin stand, hatte nicht im Entferntesten damit zu tun, was wir erwartet hatten. Daher hier eine kurze Zusammenfassung und der Leser möchte bitte einmal vergleichen, was ich bisher geschrieben hatte.

Da steht zunächst einmal eine lange Erklärung, was der Zoll macht und ist und vor allem was er nicht ist. Also die typisch deutsche Art Verantwortung und Zuständigkeiten abzulehnen.

Im interessanten Teil dann, nochmals die Aufzählung des Ablaufs aus Zollbeamtensicht. Da steht, dass wir bei unserem ersten Besuch die Ware angemeldet hätten. So gehört es sich auch, klar. Beim zweiten Besuch hätten wir nach der Umverpackung und der Begleitunterlagen gefragt, die durch den Deutschen Zoll vernichtet worden ist. „Dieser Aussage wird von den beteiligten Abfertigungsbeamten übereinstimmend widersprochen. Diese Umverpackung wäre, lt. den rechtschaffenden Beamten, bei meinem dritten Besuch (?) in kleine Teile, Schnipsel, geschnitten worden und vernichtet worden.

Nochmals also zum Mitdenken. Ich war, lt. der Beamten, also ein drittes Mal da und habe an diesem Tag alles zerschnitten, vor den Augen einer Abfertigungsbeamtin, die das dann für mich entsorgt. Grotesk und völlig absurd, oder? Und beim zweiten Mal, hätte ich nach dem Dokument gefragt. Lt. Darstellung des Deutschen Zoll, war ja hier noch alles vorhanden und es wurde somit nichts gefunden. Die Anforderungen, den zeitlichen Verlauf zu verstehen, sind doch recht groß.

Und irgendwie gab es noch einen vierten Besuch, der zeitlich jedoch in keinem Zusammenhang stand.

Wir waren sprachlos und mir ist als erstes das Sprichwort mit den Krähen eingefallen. Kein Wort einer Entschuldigung, kein Wort davon, dass uns angeboten wird, das Paket auf Kosten des Zoll zurückzuschickt, ja wir wurden erneut aufgefordert, das Paket zurückzuschicken und es wurde sogleich wieder der Zeigefinger erhoben und eine Strafe angedroht.

Das ist also Deutschland, das sind ehrbare deutsche Beamten.

In der Zwischenzeit hatten wir uns mit der Marktüberwachungsbehörde in Verbindung gesetzt. Dort wurde uns schnell (!) geantwortet. Ja ich konnte sogar mit dem Sachbearbeiter direkt sprechen, der mir den komplizierten Sachverhalt freundlich (!) erklärte. Es ist nicht nur ein Gesetz, nicht nur eine Vorschrift, nein, es sind derer viele und in Kombination anzuwenden. Selbst was als Produkt bezeichnet wird, ist geregelt und weiß bestimmt nicht jeder Otto-Normalverbraucher. Insgesamt ist es noch komplizierter als gedacht und hier dargestellt. Was er jedoch empfahl, um die Ware nach Deutschland zu bekommen war, dass wir sie bei einem Urlaub in Japan einfach dort kaufen und im Koffer nach Deutschland bringen. Nein, oder?

Wenn ich mir also eine Ware im Ausland kaufe, sie mir schicken lasse, dann habe ich größte Schwierigkeiten, sie in den Verkehr, also in meinem Fall, Eigenanwendung, zu bringen. Da will mich jeder vor allen möglichen Gefahren behüten und beschützen und mir alles mögliche vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe. Da scheint das propagierte Weltbild des freien Welthandels, doch nicht so frei zu sein. Wenn ich sie jedoch im Koffer habe, dann interessiert nur noch der Preis, wegen der möglichen Steuereinnahmen, und Sicherheit? Pustekuchen, interessiert kein Schwein und auch nicht den Zoll oder die nachgelagerte Marktüberwachung, die Regierung und das EU-Parlament. Da wird also viel Aufheben um Sicherheit gemacht, viele Zollbeamten beschäftigt und wenn ich reise, dann ist fast alles egal. Das muss man nicht gleich verstehen.

Also aus Sicht der Marktüberwachung erhalten wir im Moment das Gerät also nicht. Bleibt der mehr als unverschämte Brief. Um hier nichts falsches zu machen, einfach mal die Frage an unseren Anwalt. Der erklärt mit, dass eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein stumpfes Schwert sei. Unter Juristen gilt auch  „Sie ist formlos, fristlos und fruchtlos“. Wozu dann der ganze Aufwand, so etwas zu etablieren? Da könnte man doch ganze Heerscharen an Beamten einsparen, die sich solch einen Blödsinn ausdenken und verwalten.

Die nächste Möglichkeit wäre eine Gegendarstellung zu verfassen, Erfolg nahe Null. Oder aber die nächst höhere Dienststelle, wir sind also bald beim EU-Parlament, den Fall nochmals darlegen, aber auch hier wird der Erfolg eher bescheiden ausfallen.

Wir kamen auch noch kurz auf den Gedanken, dies alles als „Persönlich“ zu deklarieren. Haben wir aber verworfen, da es zu Diskussionen führen könnte, selbst wenn es stimmte. Auch ist es in diesem Fall wahrscheinlich sogar kriminell.

Aus den Erklärungen kamen wir auf eine weitere Möglichkeit nämlich, wenn man die Ware trennt, in diesem Fall, 2 Teile und zuschicken lässt. Bei Päckchen Nummer 1 könnte es aber zur Anwendung anderer Gesetze führen, könnte aber auch klappen. Bei Päckchen Nummer 2 würde ich mir dann ganz einfach den Adapter schicken lassen. Falls es dann gefunden wird, wird es wieder zurückgeschickt oder vernichtet, das kennt man ja jetzt. Wäre aber nicht ganz so schlimm, denn dann könnte man ja etwas mit EU-Stempel kaufen, ginge also. Aber auch hier haben wir uns dagegen entschieden, ist viel zu aufwändig und wahrscheinlich letztendlich nicht legal.

Wir haben daher unseren Disput auf Eis gelegt. Jedoch haben wir uns geschworen, ein nächstes Mal wird es nicht geben. Folgende Maßnahmen haben wir uns ausgedacht.

  • Beim nächsten Zollbesuch werden wir alles fotografieren, alleine schon, um die Beamten zu schützen, damit sie sich keine Lügen ausdenken müssen, schließlich wollen sie ja ihre Pension erreichen.
  • Sollte es trotzdem dann wieder zu Unstimmigkeiten kommen, kommt nur noch der Gang zu Anwalt und eine Klage in Frage. Eine Dienstaufsichtsbeschwerde hat keinen Sinn und ist auch völlig sinnlos.
  • Den Tipp mit dem Koffer werden wir uns ganz bestimmt merken und uns über die Gesetzgebung freuen, wenn wir die EU-Grenze auf dem Rückweg mit einem breiten Grinsen überschreiten.

Betrachten wir nun noch mein Fazit. Der Deutsche Zoll mit seinen Beamten ist die bisher unfreundlichste Behörde, in den verschiedensten Richtungen, die mir je begegnet ist. Service scheint unvereinbar mit dem Deutschen Zoll zu sein. Ein Relikt aus alten Tagen in Deutschland. Sie dürfen sich alles erlauben, bis hin zur Lüge, ohne die Gefahr einer Strafe. Warum sie lügen? Nun, vielleicht steckt ja noch mehr und größeres dahinter. Aber das wäre nun Kopfkino oder Verschwörungtheorie und führt zu weit, denn Beweise liegen mir auch nicht vor, aber denken darf man es doch noch.

Dies ist Deutschland im Jahre 2016, unglaublich nicht?

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Deutschland von innen

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s