Zoll und so (Teil 1) – modern times –

Es gibt nicht nur Firmen, sondern es gibt auch noch Behörden, die arbeiten wie vorgestern und von dem Wort Dienstleistung oder Service haben sie auch noch nichts gehört. Sonst schreibe ich ja gerne über die Post, heute aber will ich einmal über den Deutschen Zoll, speziell das Zollamt Hafen in Stuttgart, schreiben.

Wir hatten uns im April ein kleines elektrisches Gerät aus Japan bestellt und liefern lassen. Wir waren so ehrlich und haben den wirklichen Betrag auf die Inhaltserklärung schreiben lassen. In der Erwartung nun noch die Einfuhrsteuer zu zahlen zu müssen, haben wir uns schon darauf eingestellt, die Ware beim Zoll abzuholen. So kam es auch, allerdings ein wenig anders als gedacht.

Zunächst einmal wurde uns der komplette Inhalt nicht sofort ausgeliefert, sondern das elektrische Gerät musste zu einer Prüfung. Die Prüfung bestand dann daraus, dass einige Digitalfotos erstellt wurden, diese zum RP Tübingen geschickt wurden und dort die Bilder betrachtet und bewertet wurden.

Das Ergebnis war, das Gerät hat kein CE-Kennzeichen, keine deutsche Bedienungsanleitung und man hat auch keine Sicherheitshinweise gefunden und darf daher nach EU-Recht nicht eingeführt werden. Der freie Welthandel ist wohl nur ein Lippenbekenntnis in Europa. Gut, Produktsicherheit muss sein, aber so richtig Mühe hat man sich bei der Prüfung auch nicht gegeben. Schließlich könnte man sogar Ausnahmen machen, wurde uns gesagt.

Wir waren ein wenig überrascht, doch wenn es so ist, ist es eben so. Auf dem Schreiben stand dann noch, dass das Gerät unter zollamtlicher Überwachung zurückgeschickt werden muss oder eben vernichtet werden muss, wir müssen uns entscheiden. Wir also wieder hin zum Amt und gesagt, ok, wir würden es unter zollamtlicher Überwachung zurückschicken. Dann die Frage, ob wir einen Karton und einen Paketaufkleber dabei hätten.

Was? Wieso muss ich das zurückschicken? In einem anderen Fall wurde dies direkt durch den Zoll zurückgeschickt. Es steht doch da, zollamtliche Überwachung.

Da meinte diese Beamtin, dass ich diesen Karton bräuchte und wenn ich Fragen häbe, hätte ich ja anrufen können. Ich meinte, ich hätte keine Fragen, da ich davon ausgegangen wäre, dass eine zollamtliche Überwachung durch den Zoll durchgeführt würde. Ja, wenn ich keine Fragen hätte, wäre ja alles klar, auf dem Zettel würde alles Notwendige stehen und der Karton wird benötigt. Ich wieder, wo das steht, da steht es doch, hin und her.

Das Ende war, diese Frau dreht sich um und will nicht mehr mit mir sprechen.

Ist das alles etwa noch Bürgerservice?

Da steht irgendein zollamtlicher, rechtlicher Begriff und ich muss wissen, was das heißt? Kann denn nicht auf diesem Papier stehen, dass ich bei der Rückführung unter zollamtlicher Überwachung dies 1.) selbst durchführen muss, 2.) ich einen passenden Karton plus Verpackungsmaterial mitbringen muss, 3.) dies nur als Paket möglich ist  und 4.) auch noch eine Kaution fällig ist. Da muss unser BFM Schäuble wohl noch etwas nacharbeiten.

Nichts davon steht da, nur sture Beamten vor mir, die gar nicht verstehen, dass wir in einer Servicegesellschaft leben wollen. Das Ende war,  wir haben alle Utensilien mitgebracht, wenigstens den Rest der Ware endlich erhalten und das Paket wurde mit einer Nämlichkeitssicherungsschnur oder so ähnlich versehen und wir sind zur Post. Dort müssen auf einem Formular 3 Kreuze gemacht werden, Stempel und Unterschrift, fertig. Was soll ich sagen, die bei der Post wussten auch nicht, dass sie das zu tun haben.

Nur als kleine Nebenbemerkung, diese Schnur muss von einer anderen Abteilung angebracht werden. Also nicht die Übergabebeamtin darf das, sondern das geschieht in einem anderen Stockwerk, in einem anderen Zimmer, mit richtiger starker Schnur und einem Siegel. Irgendwann hatte ich noch eine Frage und sie hat noch was vom einem Amtsboten gesprochen und ich war gedanklich im Mittelalter und habe Pferde gesehen – ich habe dabei nicht gelacht. Moderne Verwaltung im Jahre 2016.

Insgesamt haben wir 11 Seiten Papier erhalten, wahrscheinlich ist die gleiche Menge auch beim Zoll verblieben. Ökologie im Amt neben Service im Amt scheinen zwei Fremdwörter zu sein.

Neben dem Erlernen von neuen Worten, der Erkenntnis, dass beim Zoll noch so gearbeitet wird, wie zu Kaisers Zeiten, der Bürger nichts zählt und Staatsdiener nicht dem Bürger dienen und wir das Gerät nicht mehr haben, wir es jedoch haben wollen, ging das Kopfkino los, wie wir das Gerät doch noch irgendwann in unseren Händen halten können. Durch das Verhalten der Beamtin und auch, was sie sonst noch so erzählt hat, kamen dann solche Fragen auf:

Gibt es eine Möglichkeit, auch ohne CE-Zeichen zu importieren?

Was ist, wenn das Gerät durch einen Touristen hierher gebracht wird und mir geschenkt wird? Darf das hier vielleicht sogar durch den Touristen gar nicht benutzt werden, hat ja kein CE-Zeichen?

Was ist, wenn ich unter 45 EUR Warenwert und Geschenk auf das Paket schreibe oder unter 22 EUR bei gewerblichen Sendungen bleibe? Solche Pakete werden wahrscheinlich gar nicht so häufig kontrolliert und alle haben ein ruhiges Gewissen.

Ja, da kommen nicht nur legale Gedanken auf.

Kennt ihr das aus eurer Erfahrung?

Aber es geht noch weiter und ganz anders als gedacht, steht dann in Teil 2.

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