Das Märchen von der guten Post

Es war einmal ein Päckchen, das wurde vor nicht allzu langer Zeit, genau am 07. November dieses Jahres bei der Post in Japan aufgegeben. Und da es schnell an seinem Zielort in Deutschland sein sollte, hat man es mit Expressversand auch hierher geschickt. Hierfür gibt es dort ja EMS.

Die moderne Technik machte es möglich, dass es bereits 2 Tage später in Old Germany auf dem Frankfurter Flughafen ankam. Sein erster Kontakt, der Deutsche Zoll. Ja, mmh. Am besten jetzt langsam weiterlesen, denn schneller geht es hier einfach nicht.

Nach ein paar Tagen machte ich mir dann Sorgen und schaute auf der Tracking-Seite von EMS nach, was da passiert. Wie ich feststellen musste, ist da zunächst einfach nichts passiert. Das Päckchen war im Zoll und war im Zoll, tagaus, tagein. Also habe ich den Zoll in Frankfurt auf dem Flughafen angerufen. Natürlich war die Rufnummer, die man im Internet findet, nicht die richtige. Doch der freundliche Zollbeamte gab mir die richtige und ich habe es mal dort versucht.

Der gute Mann gab mir dann zunächst einmal eine Lehrstunde in der Zöllnerei (ich hoffe das sagt man so), das kleine 1×1 des Zolls sozusagen. Dieses besagt, dass die Post, aha, die Päckchen durch den Zoll bringen muss. Dies kann sie elektronisch aber auch manuell, also mit einem richtigen Postmitarbeiter machen. Und auch, Päckchen mit EMS-Versand werden bevorzugt behandelt.

Also flugs die Post (oder DHL oder wie die auch immer wieder heißen, für mich egal und alles gleich) angerufen, 2 mal die falsche Nummer gewählt und habe dann herausgefunden, dass es für den EMS-Versand, bei DHL-Express (man beachte das 2. Wort) eine Extrastelle gibt, die mir Auskunft geben kann. Jetzt war es leider schon Freitag und auch schon nach 18:00 Uhr, da gibt es leider das ganze Wochenende lang kein „Express“ mehr. DHL-Express legt sich schlafen, verträumt das ganze Wochenende und am Montag dann, ja am Montag dann, konnte durfte ich dann wieder einmal anrufen.

Die gute Frau war ja recht hilfsbereit. Sie erklärte mir, dass sie auch nicht so genau wüsste, warum ein Expressversand, der ja bevorzugt behandelt wird, eine Woche beim Zoll verbringt. Den nächsten Satz muss man sich jetzt ein wenig merken, ist nicht schwierig. Sie ruft daher beim Zoll an und gibt mir schnellstmöglich Bescheid. Das hat sie auch, kaum 2 Stunden später (das ist nicht ironisch gemeint!) hatte ich die Antwort. Im Päckchen sind ein paar nach deutschem Recht nicht genehmigte Dinge drin und es wird zurückgeschickt. Oha, aber gut, wenn es so ist, ist es so, akzeptiert. Das Päckchen bewegt sich also.

Die erste Woche geht vorbei, die zweite Woche ebenso. Und da, ein Brief, ein Brief von der Zollübergabestelle Deutsche Post/DHL in Stuttgart. Was ist nur los? Schnell mal wieder beim Tracking-Service von EMS nachgesehen und ich stelle fest, das Päckchen ist bei der zustellenden Postfiliale und es wurde versucht, es mir zuzustellen. Schaut man das gleiche auf den Seiten von DHL an, sieht es noch viel besser aus. Das Päckchen ist per Kurier (!) nach Stuttgart gekommen und wurde ausgeliefert (!), mit Namen (!), leider ist dies nicht meiner. Dem Leser wird jetzt bestimmt auffallen, hier stimmt etwas nicht.

Aber, heute bin ich erwartungsfroh gen Zollübergabestelle gefahren. Und dort wurde mir nun gesagt, dass in dem Päckchen ein paar nach deutschem Recht nicht genehmigte Dinge drin sind und es kann jetzt vernichtet werden oder es wird zurückgeschickt. Ich habe mich für letzteres entschieden. Aber ich stellte mir auch die Frage, warum muss ich zu der Zollübergabestelle und warum wird dies nach Stuttgart geschickt, obwohl mir 14 Tage zuvor etwas anderes gesagt worden ist. Die freundliche Zollmitarbeiterin konnte mir hierzu keine Auskunft geben und sagte, dass dies die Post aber tun könnte. Die Post mal wieder, mein Mut, der sank, meine Hoffnung, nahezu begraben.

Und es kommt, wie es kommen muss. Ich rufe die Post an, die Nummer kenne ich ja schon. Eine andere Dame, die nun erklärt mir, dass das Regierungspräsidium in Darmstadt die Sendung doch noch freigeben hatte, so dass es nach Stuttgart geleitet worden ist. Eine Kopie der Erlaubnis kann sie mir nicht geben und sie weiß natürlich auch nicht, wieso so etwas 14 Tage lang dauert. Auch hat jedes Bundesland seine eigenen Gepflogenheiten, was bedeutet, dass wenn das RP DA etwas freigibt, dies vom RP Stuttgart oder Stuttgarter Zoll noch lange nicht akzeptiert wird. Und jetzt Achtung, was hatte ich vorhin geschrieben? Sie kann aber auch nicht den Zoll anrufen, um hier nachzufragen. Die eine kann also, die andere nicht. 2 Klassen Mitarbeiter bei der Post. Beinahe wäre ihr auch noch der deutsche Lieblingssatz „Ich bin nicht zuständig“ herausgeruscht, aber es ging noch einmal gut.

Nun der Zoll, da war ich ja heute schon einmal, ich rufe also nochmals an. Werde dann auch noch an einen freundlichen Zollbeamten weitergeleitet, der mir folgendes erklärt. Wenn das RP DA etwas freigibt, wird ein Vermerk auf dem Päckchen hinterlassen. Sofern das Päckchen dann nicht mehr verzollt werden muss, wird es sogar direkt zugestellt. Da es aber in Stuttgart beim Zoll angekommen ist, hätte es verzollt werden müssen (musste es nicht!) oder aber der Vermerk ist nicht da. Damit hatte ich meine 2. Lehrstunde in der Zöllnerei. Dass das RP DA für ihn nicht zuständig ist, hat er merkwürdigerweise nicht gesagt, da scheint die Post etwas nicht zu wissen. Ein Anruf beim RP DA rät er mir nicht, da wenn ich nicht genau angeben kann, um welches Produkt und um welche Inhaltsstoffe es sich handelt, ich sowieso keine Auskunft erhalten kann.

Und dann, mein Herz wurde ganz weich, erzählt er mir, ganz privat, das habe ich vorsichtshalber abgeklärt, dass er genau die gleichen Probleme mit der Post hat wie ich, nur täglich und auch mehrmals. Das dieser Laden nur auf Profit aus ist und oft nur unausgebildete Mitarbeiter die Post ausliefern und transportieren lässt. Wir sind bei unserem Gespräch fast Freunde geworden🙂

Was kann ich da nur machen? Die Post versteckt sich meist hinter einer Hotline, anonym, da geht es nicht weiter. Auch hat die Post keinen Einfluss auf den Zoll. Der Zoll allerdings, der wartet auf die Post. Damit dreht sich alles im Kreise, ich mittendrin und kann nichts machen, keiner ist zuständig, ich bin ausgeliefert.

Das Schlimme daran ist, dass die Post Versprechungen abgibt, die sie nicht einhalten kann. Dass die Post horrende Gebühren nimmt, aber danach ihre Leistung (ich will ja nicht Service schreiben) vergisst. Der Dumme ist der Verbraucher. Die Post, die lässt man machen, keinen störts, solange der Aktienkurs halt stimmt.

Das letzte bisschen Hoffnung, was ich beim Thema „Deutsche Post“ noch habe, ist der Nikolaus und das Christkind. Ich wünsche mir also hiermit eine richtige Alternative zur Post zu Weihnachten und verspreche, diese dann für immer zu wählen. Eine Firma, die Briefe und Pakete schnell und zuverlässig transportieren und auch zustellen kann, die diesen Service zu den Preisen, die im Ausland üblich sind, auch in Deutschland zur Verfügung stellt. Die einen Ansprechpartner hat, der auch zuständig ist.

Ja, das wünsche ich mir.

Update
Das Päckchen ist tatsächlich zurückgeschickt worden. Es hat zwar noch 4 Wochen beim Zoll in Frankfurt herumgelegen, bis mal wieder jemand bemerkte, dass da noch etwas getan werden muss. Nach 2 Monaten, Expressversand war die Ursprungsversandart, ist es wieder beim Empfänger angekommen. Leider 12h zu spät, wir waren schon weg. Ich weiß nicht wer von beiden, Zoll oder DHL, langsamer arbeitet, jedoch beide Behörden zusammen, reichen jeder Schnecke zur Ehre. Und wenn man den Zoll anruft, dann liegt es an DHL, ruft man DHL an liegt es am Zoll, diese Kombination ist wahrscheinlich sehr sorgfältig ausgewählt worden und die Partnerschaft ebenso. Auf jeden Fall ist weder Sender noch Empfänger in der Lage, dieses Geflecht zu durchdringen. Das Beste an allem ist, keiner ist verantwortlich. Das ist das Paradies.
Und noch eine Wette, es werden weitere Berichte über dies Trauma-Paar folgen.

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