Kampf der Kulturen, Teil 3

Dies ist der abschließende Teil 3 meiner Buchkritik „Kampf der Kulturen“. In den beiden bereits erschienenen Teilen 1 und 2 wurden schon einige Ansatzpunkte genannt, um über den Westen und westliches Verhalten nachzudenken. Hier nun weitere Einblicke, andere Kulturen zu verstehen und die eigene zu reflektieren.

Im letzten Kapitel V „Die Zukunft der Kulturen“ dann folgendes, was doch mehr als nachdenklich macht:

Zeichen, die zeigen wann Kulturen ihren Höhepunkt erreicht haben, ihr goldenes Zeitalter, und vor dem moralischen Verfall stehen:

  1. Die Zunahme asozialen Verhaltens wie Kriminalität, Drogenkonsum und generell Gewalt.
  2. Der Verfall der Familie, damit zusammenhängend die Zunahme von Ehescheidungen, unehelichen Geburten, Müttern im Teenageralter, Alleinerziehenden.
  3. Zumindest in den USA der Rückgang des „Sozialkapitals“, das heißt der freiwilligen Mitgliedschaften in Vereinen, und das Schwinden des mit solchen Mitgliedschaften einhergehenden zwischenmenschlichen Vertrauens.
  4. Das generelle Nachlassen der „Arbeitsethik“ und der zunehmende Kult der vorrangigen Erfüllung persönlicher Wünsche.
  5. Abnehmendes Interesse für Bildung und geistige Betätigung, in den USA am Absinken der akademischen Leistungen ablesbar.

Auch wenn hier nun mehrmals nur die USA genannt wurde, trifft dies im gleichen Maß auch auf Deutschland zu. Hier ein paar Beispiele zu den im letzten Absatz genannten Punkte:

  1. Asoziales Verhalten ist in Deutschland auch nichts unbekanntes mehr. Ein Beispiel ist die zunehmende Gewaltbereitschaft Jugendlicher, die sich in Amokläufen und S-Bahn-Morden widerspiegelt.
  2. Über den Verfall der Familie wird auch tagtäglich geschrieben und mit Elterngeld und dem erweiterten Elterngeld für pausierende Väter gegengesteuert (Dies ist keine Kritik am Elterngeld).
  3. Engagement in Vereinen wird auf den Schultern Einzelner ausgetragen. Sprechen Sie einfach einmal mit einem Vereinsvorstand oder Abteilungsleiter darüber.
  4. Arbeitsethik wird auch in Deutschland zum Fremdwort. Sei es zum Beispiel in den frühen montäglichen Ankündigungen des Wochenendes oder des Egoismusses persönlicher Feiern bis in die Nachtstunden und der Ignoranz des eigenen Handels in der Vermüllung öffentlicher und privater Grundstücke.
  5. Das Thema Bildung in Deutschland ein Dauerthema in der Politik, unter die Räder des Föderalismusses gekommen und dem Unvermögen der Kultusministerkonferenz übergeben. Über das Schulchaos gibt es einen schönen Bericht im Spiegel vom 07.07.2010.
    Weiterhin spiegelt sich das Thema Bildung auch im Fernsehen, hautsächlich dem öffentlich-rechtlichen, wider. Hierzu wurde vor kurzem ein herrlicher Verriss in der Zeit am 29.07.2010 veröffentlicht.

Hart auch der Schluss, was wäre der Westen, und hier ist Europa gemeint ohne die USA. Es wird wirklich sehr deutlich gesagt, dass „ohne die USA der Westen zu einem winzigen, weiter schrumpfenden Teil der Weltbevölkerung auf einer kleinen, unwichtigen Halbinsel am Rande der eurasischen Landmasse“ wird.

Der westliche „Glaube an die Universalität krankt an drei Problemen: er ist falsch, er ist unmoralisch, und er ist gefährlich.“

Es ließen sich sicher noch mehr Beispiele aus dem Buch zitieren. Die, die ich genannt habe, sind mir als erstes und auch stärkstes aufgefallen.

Mein Fazit ist, das Buch ist wirklich großartig. Vielleicht muss man es auch zweimal lesen, schon wegen der vielen Fremdwörter, um es richtig oder zumindest besser zu verstehen. Trotzdem, nach dem ersten Lesen, konnte ich Bezüge zu meinem Leben, meiner Erfahrung und auch zu meiner Einstellung als Westler gegenüber anderen Kulturen feststellen. Es wurde mir klarer, warum z.B. in islamischen Ländern die Ablehnung des Westens so groß ist oder aber auch wie Westler in asiatischen Ländern gesehen werden.

Wenn man versteht, dass die westliche Kultur nicht die Spitze aller Kulturen darstellt, sondern nur eine von vielen ist, dann ist man gedanklich einen Riesenschritt weiter, zu einem friedlichen Nebeneinander und einem Akzeptieren anderer Kulturen.

(Quelle: Alle Zitate sind dem Buch „Kampf der Kulturen“ von Samuel P. Huntington entnommen)

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