Kampf der Kulturen, Teil 2

Dies ist Teil 2 meiner Buchkritik „Kampf der Kulturen“. In Teil 1 wurden schon einige Ansatzpunkte genannt, um über den Westen und westliches Verhalten nachzudenken. Hier nun weitere Einblicke, andere Kulturen zu verstehen und die eigene zu reflektieren.

Ein Kulturmerkmal asiatischer Kulturen ist „die Neigung weniger explizite Kritik an anderen Ländern zu üben oder über sie zu fällen“. Über diesen Satz sollte jeder einmal nachdenken und auf sein Verhalten reflektieren. Wie oft werden in westlichen Medien (immer noch) andere Länder kritisiert. Wie das ankommt kann man sich spätestens nach dem Lesen des Buches vorstellen oder eben weiterhin ignorieren. Dem ist dann aber nicht geholfen.

Nichtwestler werfen dem Westen eine Doppelmoral vor. Verwiesen wird „auf die Unterschiede zwischen westlichen Prinzipien und westlicher Praxis. Heuchelei, Doppelmoral und ein allfälliges „aber nicht“ sind der Preis universalistischer Anmaßungen.“

Dies ist natürlich schon ein harter Vorwurf, aber als offener Westler sollte man sich die Argumente anhören und überlegen, still überlegen und nicht gleich verteidigen. Denn nun kommen einige Gründe für solcher Art Vorwürfe:

  • „Demokratie wird gelobt, aber nicht wenn sie Fundamentalisten an die Macht bringt“
  • „Die Nichtweitergabe von Kernwaffen wird für den Iran und Irak gepredigt, aber nicht für Isreal“
  • „Freier Handel ist das Lebenselixier des Wirtschaftswachstums, aber nicht in der Landwirtschaft“
  • „Die Frage nach den Menschenrechten wird China gestellt, aber nicht Saudi-Arabien“
  • „Aggressionen werden gegen erdölbesitzende Kuwaitis massiv abgewehrt, aber nicht gegen nicht-erdölbesitzende Bosnier“

Huntington nennt diese Doppelmoral, „den unvermeidlichen Preis für universalistische Prinzipien“. Und unter all diesen Gesichtspunkten sollten die nächsten Nachrichten einmal betrachtet werden, ob nicht ein Fünkchen Wahrheit drinsteckt.

Interessant sind die Unterschiede zwischen asiatischen Kulturkreisen und, von Huntington explizit genannten, amerikanischen Kultur.

Asiatische Kulturkreise

  • Betonung des konfuzianischen Ethos
  • Autorität
  • Hierarchie
  • Unterordnung der individuellen Rechte und Interesse
  • Wichtigkeit des Konsens
  • Vermeiden von Konfrontation
  • Wahren des Gesichts
  • der Supremat des Staates
  • die Gesellschaft vor dem Individuum
  • Evolution ihrer Gesellschaft in Zeiträumen von Jahrhunderten und Jahrtausenden
  • Maximierung langfristiger Gewinne hat oberste Priorität

Amerikanische Kultur

  • Primat von Freiheit, Gleichheit, Demokratie und Individualismus
  • Mißtrauen gegenüber der Regierung
  • der Autorität zu opponieren
  • das System der checks and balances zu fördern
  • Wettbewerb zu ermutigen
  • die Menschenrechte heilig zu halten (das ist ja unter Bush jr. gründlich daneben gegangen)
  • die Vergangenheit zu vergessen
  • die Zukunft zu ignorieren
  • Konzentration auf die Maximierung unmittelbarer Gewinne

Weiter in Teil 3

(Quelle: Alle Zitate sind dem Buch „Kampf der Kulturen“ von Samuel P. Huntington entnommen)

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