Kampf der Kulturen, Teil 1

Nachdem ich das Buch „Kampf der Kulturen“ gelesen habe, möchte ich hier meine kleine Buchkritik bloggen. Da der gesamte Text doch etwas länger geworden ist, heute hier der erste Teil.

Leider habe ich das Buch erst 14 Jahre nach dessen erscheinen gelesen. Aber für dieses Buch gilt, besser spät als nie. Dieses Buch ist ein absolutes Muss für jeden offen und kritischen Westler. Dieses Buch hätte ich vor 16 Jahren wahrscheinlich gar nicht verstanden. Heute denke ich schon, denn die Erfahrung und die Geschichte der letzten 14 Jahre habe ich ja erlebt und kann somit, mit ein wenig Abstand, Samuel P. Huntington wahrscheinlich sogar besser verstehen. Und auch beim Lesen sollte man diesen zeitlichen Abstand immer im Hinterkopf haben, da ja doch einiges in dieser Zeit, durchaus anders als von Huntington gedacht, passiert ist.

Zunächst einmal finde ich den Titel völlig unpassend zum Inhalt. Aber hier war wohl die Zeit der Ratgeber und der Trend zum Übertreiben, zum Extremen muss sich auch im Titel ausdrücken. Dies spiegelt sich schon in den Titelbildern der deutschen und der englischen Ausgabe wider. Dann ist der Begriff des Westlers ständig ohne Kanada (zumindest kann ich mich daran nicht erinnern) definiert. Vielleicht ist dies ja der amerikanische Gedanke, wenn man von den USA spricht, ist Kanada einfach mit dabei. Es sei Huntington verziehen.

Ich bin auch froh, dass das aufgezeigte Szenario über die Entwicklung eines Weltkrieges in 2010 nicht eingetroffen ist und es derzeit auch nicht so aussieht, dass es in naher Zukunft dazu kommt. Wie es in mittlerer Zukunft oder ferner Zukunft aussieht, kann ich nicht beurteilen.

Ich möchte hier einige Stellen aus dem Buch zitieren, die mir besonders aufgefallen sind und über die es aus meiner Sicht wertvoll ist nachzudenken.

Interessant fand ich die deutsche Unterscheidung zwischen Zivilisation und Kultur. Diese Unterscheidung gibt es anscheinend in anderen Ländern gar nicht, ja wird sogar abgelehnt. In Deutschland wurde diese Unterscheidung im 19. Jahrhundert definiert und hat sich bis heute gehalten.

Auch wurde bei einigen Erfindungen damit aufgeräumt, dass diese ausschließlich im Westen gemacht wurden.

  • Buchdruck: im 8. Jahrhundert in China erfunden, die beweglichen Letter im 11. Jahrhundert. Die Technologie kam erst im 14. Jahrhundert nach Europa
  • Papier: erstmals im 2. Jahrhundert in China hergestellt und kam über Japan, Zentralasien, Nordafrika, Spanien und erst im 13. Jahrhundert nach Nordeuropa
  • Schießpulver: Im 9. Jahrhundert in China erfunden, dann den Arabern bekannt geworden und kam erst im 14. Jahrhundert nach Europa

Deutlich wird Geoffrey Parker zitiert, indem er sagt, „der Aufstieg des Westens beruhte in hohem Maße auf der Anwendung von Gewalt“. Dies ist in den Geschichtsbüchern als Imperialismus oder Ausdehnung beschrieben. Ich wette, die Geschichtsbücher nichtwestlicher Staaten stellen es anders (mit den richtigen Worten) dar, so dass es auch in den Köpfen so verankert wird.

Später dann eine Zusammenfassung westlichen Expansionsdranges: „Der Westen eroberte die Welt nicht durch die Überlegenheit seiner Ideen oder Werte oder seiner Religion, sondern vielmehr durch seine Überlegenheit bei der Anwendung von organisierter Gewalt. Oftmals vergessen Westler diese Tatsache, Nichwestler vergessen sie niemals.“ Geschrieben wurde hier hauptsächlich über die Expansion in den Jahren 1500 bis 1750. Danach wurde aber das Verhalten und die Taten nicht etwa besser.

„Jede Kultur sieht sich selbst als Mittelpunkt der Welt“, „dies gilt für den Westen vielleicht noch mehr als für andere Kulturen.“ Aber „derartige monokulturelle Gesichtspunkte verlieren in einer multikulturellen Welt zunehmend an Relevanz und Brauchbarkeit.“

„Sprengler verurteilt schon 1918 die im Westen vorherrschende, kurzsichtige Auffassung von Geschichte.“ Nachdem man das Buch gelesen hat, kann man dem nicht widersprechen und dieser Ausspruch ist mittlerweile fast 100 Jahre als. Veränderungen sind sehr langsam durchzusetzen und dies besonders in Europa.

Aber nicht nur Sprengler sondern auch Toynbee nennt es „die Provinzialität und Impertinenz des Westens mit seinen egozentrischen Illusionen, dass die Welt sich um ihn drehe.“ Huntington stellt weiterhin fest, dass die „verbreitete und provinzielle Einstellung, die Kultur des Westens sei jetzt die universelle Weltkultur, weiterhin fortleben und im 20. Jahrhundert neue Blüten treiben“ wird.

Weiter in Teil 2

(Quelle: Alle Zitate sind dem Buch „Kampf der Kulturen“ von Samuel P. Huntington entnommen)

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