Gedanken zur Privacy

Wie gerade in den letzten Monaten festgestellt wurde, ist das Verständnis zum Thema Datenschutz und Schutz der Privatsphäre links und rechts des Atlantiks recht unterschiedlich. Auf der einen Seite wird von Facebookgründer Mark Zuckerberg die totale Öffnung der Privatsphäre propagiert, während hier, z.B. von Ilse Aigner, der vermehrte Schutz privater Daten gefordert wird. Ob nun Frau Aigner Herrn Zuckerberg damit beeindruckt mag mal dahingestellt sein.

Ist es nun gut, wenn von allen alles offen im Netz erhältlich ist oder aber wenn versucht wird, alles nur dann zu verbreiten, wenn es benötigt wird?

Hier stellt sich für mich zuerst die Frage, wer entscheidet was benötigt wird?
In Deutschland wird vieles an den Staat delegiert, ihm die Verantwortung und Einhaltung des Datenschutzes übertragen. Auf der anderen Seite traut man dem Staat wenig zu, mit den neuen Medien und anderen Themen kompetent umzugehen. Dieser Konflikt ist bisher nicht aufgelöst.

Wenn nun die Verantwortung meiner Daten, die nicht staatlich verwaltet werden, alleine mir obliegt, dann ist es notwendig die eigene Kompetenz in Sachen Privatsphäre und Datenschutz zu erhöhen. Alle werden zu Medien- und Datenschutzexperten. Unter diesem Gesichtspunkt sicher eine unrealistische Vorstellung.

Wenn ich es nicht rational entscheiden kann, weil mir das Wissen um den Nutzen und Gefahren fehlt, entscheide ich es nach Gefühl. Hier nun wird es auch wieder Gruppen geben, die alles bereitwillig herausgeben wollen und andere die alles verstecken wollen. Selbst im Zeitalter vor dem Datenschutz waren diese Gruppen unterschiedlicher Interessen vertreten.

Wenn es nun keine Regelungen gäbe, aber auch nicht alle Menschen es kompetent entscheiden können, entsteht wiederum keine einheitliche Lösung und keine Antwort.

Wie nun kommt man einer Lösung näher? Gehen wir daher Zuckerbergs Idee einmal ein Stück nach. Jeder kann alles von jedem erfahren, es gibt keine Geheimnisse mehr voneinander. Sicher stellt sich nun gleich das Gefühl ein, in aller Öffentlichkeit auf dem Präsentierteller zu stehen. Für die meisten ein sicher beklemmendes Gefühl, auf der anderen Seite, alle stehen so da, so dass es auch wieder als Normalität erfasst werden könnte.

Wie steht es mit den Gefahren?
Gefahren für den Einzelnen entstehen heute und auch wenn Zuckerberg sich durchsetzt. Durch die Präsenz, ja Omnipräsenz aller Daten allerdings fällt nur der hohe Aufwand weg, sich einen Weg zur Beschaffung zu suchen. Die Kombination der Daten wird durch die Masse an Daten beeinträchtigt. Dieses Problem jedoch lässt sich durch geeignete Filter wohl relativ leicht ausschalten.

Könnte jedoch trotzdem die vollständige Öffentlichkeit der privaten Daten eine Rettung darstellen, da ja nicht nur die Gesuchten gefunden werden können sondern auch die Suchenden? Für diesen Fall aber bleibt nur zu hoffen, dass die Suchenden Respekt vor ihren eigenen Daten haben und sich somit Hemmungen und Ängste aufbauen unter den Gefundenen zu sein. Eine schwache Hoffnung und auch keine Lösung.

Die Frage nach der Weite der Öffnung der Privatsphäre ist schlicht nicht einfach zu beantworten. Unterschiedliche Interessen kollidieren. Es gilt die Medienkompetenz zu erhöhen, um fundierter über dieses Thema sich auszutauschen und seine Meinung zu bilden. Somit ist jeder auch hierfür verantwortlich dies zu tun. Was aber mit Sicherheit nicht leicht durchzuführen ist, da das Bewusstsein hier in eine aktive Rolle zu schlüpfen nicht vorhanden ist und wahrscheinlich auch schwer zu aktivieren ist. Es bleibt somit erst einmal nur die weitere Diskussion und auch die weitere Beobachtung, wie sich die beiden Ansätze, freie Verbreitung gegenüber vollständiger Kontrolle, in der Praxis bewähren, um dann in Zukunft hier einen Weg zu finden.

Aber, eine einheitliche Festlegung mit der jeder zufrieden ist, wird es wohl auch in ferner Zukunft nicht geben.

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