Information Overload Part 2

Einen Tag später wurde ich bei Carta fündig. Ein Interview mit Prof. Peter Kruse „Schwimmen, nicht filtern„. Dieser Artikel ergänzt ausgezeichnet die von Martin Weigert gemachten Aussagen.

Prof. Kruse sieht uns „mitten in der nächsten Runde der Veränderungen der Gesellschaft durch das Internet.“ Er nennt es sogar „Revolution 2.0“. Durch die weite Verbreitung des Internets und deren nun soziale Nutzung sieht er nun eine „kritische Masse“ erreicht, um „Aufschaukelungseffekte“ zu erzielen. Ein kleiner Impuls sorgt für eine große Wirkung.

Als ein Beispiel möchte ich hier nur auf ein paar wenige Youtube-Videos hinweisen. Die einfach eingestellt, mittlerweile millionenfach angesehen und kopiert wurden. Gleiches nur mit anderer Wirkung, kann man sich mit Nachrichten aus aller Welt vorstellen, sowohl gute, als auch schlechte. Prof. Kruse beschreibt dies damit, dass „das Internet inzwischen eine ständige Aufforderung an den berühmten Schmetterling der Chaostheorie ist“.

Die Vielzahl von Menschen, die dies verursachen möchten „alles, alles und zwar sofort. Genuss ohne Reue. Wirkung ohne Nebenwirkungen. Schön wär’s“. Die gerade stattfindende Diskussion über den Umgang und die Freizügigkeit von Daten, z.B. bei Facebook, zeigen genau dies.

Prof. Kruse bemängelt auch unseren Umgang mit 140 Zeichen bei Twitter. Selbstverständlich ist es auch für Nichtenglischsprachige auf Englisch zu twittern. Hier jedoch sollte beachtet werden, dass „die Tatsache, dass es uns normalerweise gut gelingt, eine Ironie von einer Faktenaussage zu unterscheiden, sie setzt jedoch die Teilhabe an einem gemeinsamen inhaltlichen und kulturellen Hintergrund voraus.“ Will sagen, dass ich nicht nur mit meinen Daten aufpassen muss, sondern auch vorsichtig bei Aussagen außerhalb meiner Heimat sein muss.

In dem Artikel wird weiterhin „social tagging“ angesprochen, das die babylonische und auch nicht erlernte Verwendung von Sprache vereinfachen soll. „Aber Menschen verwenden Sprache viel zu undiszipliniert.“ In dem Artikel wird das Beispiel „Theater“ verwendet, welches einmal die Seiten von Scheidungsanwälten und ein anderes Mal das Schauspielprogramm verlinkt.

Das Problem bleibt damit einfach bestehen und auch ein allgemeines Sprachverstehen noch dazu ein automatisches Sprachverstehen des Webs „bleibt wohl dauerhaft unter seinen Möglichkeiten. Da man nicht mit vielen hundert Millionen Menschen eine tragfähige gemeinsame Kultur aushandeln kann.“

Wie nun kann ich die vielen Informationen sortieren und verarbeiten? Nach Prof. Kruse bleibt nur „das persönliche Bemühen um ein möglichst breites Allgemeinwissen und um die Fähigkeit, sich in viele verschiedene Lebensperspektiven einfühlen können. Netzwerkkompetenz steigt mit der Fähigkeit zu Querdenken und Empathie.“ Letztendlich überlebt im Netz derjenige, der schneller und besser „Muster erkennt und Informationen sicher bewerten kann.“

Diese Tatsache nun erzwingt einen neuen Umgang mit dem Internet. „Es geht nicht mehr darum, jedes Detail … wahrzunehmen, sondern darum, die Steinchen schnell und sinnvoll in einen übergeordneten und wenn möglich sinnvollen Zusammenhang einzufügen.“ Dies wird für uns alle „zur existenziellen Aufgabe“.

Neben Querdenken und Empathie wird eine dritte Komponente im Umgang mit dem Medienstrom immer wichtiger, nämlich „eine möglichst große Aufmerksamkeitsspanne“. Hier sieht Prof. Kruse vor allem Digital Natives in der Defensive. Diese haben zwar „kein Problem sich parallelen Medienströmen hinzugeben, sind aber nicht mehr daran gewöhnt, sich einer Sache längere Zeit zu widmen“. Deren aufgewendete Aufmerksamkeitszeit reicht für eine „qualitative Musterbildung“ nicht aus.

Hier stellt sich mir nun die Frage, ist der Run, DNs möglichst eine passende Arbeitswelt zu schaffen und den Älteren, die DIs damit zu überfordern völlig überzogen? Wäre es nicht sinnvoll, ersteinmal DNs so zu trainieren, dass sie sich über einen längeren Zeitraum konzentrieren können? Wahrscheinlich muss wieder ein Mittelweg gefunden werden. Nämlich, dass sich die Taktung in der Arbeitswelt wohl weiter erhöht, gleichzeitig aber auch Druck auf DNs ausübt, sich einer Sache eine gewisse Zeit zu widmen.

Im Interview wird nun aber weiter auf den Umgang mit dem Medienstrom eingegangen. Hier wird gesagt, dass es gilt „Unschärfen zu akzeptieren“ (was ich mit aushalten umschrieben hatte). Weiter heißt es „Schwimmen und nicht filtern“. Man muss die Strömung spüren und damit die Dynamik der Welt. Doch, „wem es auf Dauer nicht gelingt, Muster zu erkennen, der läuft Gefahr einfach ins driften zu geraten.“

Kruse sieht das Internet als die „bislang radikalste Form der Demokratisierung der Gesellschaft“. Wer allerdings nun „Firmen wie Google als neue Weltmacht ausruft, ignoriert die Dynamik und die Größe der Netze“. Sobald ein neuer Stern am Himmel aufkommt, wird „die Karawane weiterziehen“ und Google verlassen. Die Gesellschaft im Netz ist nicht treu. Als kleines Beispiel möchte ich hier die Browserverwendung anmerken. Noch vor Jahren war der Anteil des IE viel höher als heute. Heute hat z.B. Firefox einen beträchtlichen Marktanteil.

Die Welt im collaborativen Netz ist spannend und komplex. Und schon steht die nächste Stufe bevor, das semantische Web, von dem nur wenige bisher erahnen können, welche Auswirkungen dies auf die Menschen und Gesellschaft haben wird.

Wir sind dabei!

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