Deutschland bald nur noch 1.5?

Was muss man da lesen? Laut Achim Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung Microsoft Deutschland, sind „selbst Digital Natives, …, offenbar mit dem Datenaustausch, der Datensicherheit und der Bürokommunikation nicht vertraut“. Microsoft will daher, mit der Bitkom, BfA (oh je) und weiteren Partnern die Qualifizierungsinitiative IT-Fitness starten und bis Ende 2010 4 Mio. Menschen in Deutschland kostenlos qualifizieren (Summe der Qualifizierten seit dem Start der Initiative im Jahr 2006).

Nach der IDC-Studie ist eine solche Initiative auch bitter nötig, da „im Jahr 2014 Deutschland 13% der Arbeitnehmer ohne IT-Kenntnisse haben wird. Damit wird es in fünf Jahren deutlich unter dem EU-weiten Durchschnitt von 9,5% liegen.“

Das ist schlimm!

Weiter wird in der „Stuttgarter Erklärung“ der Industrie gefordert, dass Digital Natives sich mehr mit den Entscheidern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft austauschen sollen. Ich frage mich, wenn doch das IT-Knowhow der Digital Natives so schlecht ist, warum auch noch damit Entscheider verdummen? Hier sollten vielmehr auch die Ohren für die Analog Natives und Digitalen Immigranten geöffnet werden, die hautnah erleben, was benötigt wird und aus ihrer Lebenserfahrung schöpfen können.

Wird Deutschland zum IT-Entwicklungsland absteigen? Berg meint, dass dies nicht der Fall ist, „doch er würde es als ein Land bezeichnen, das deutlich beschleunigen muss. … Denn wenn wir unser Knowhow nicht fördern, dann wird Deutschland bereits innerhalb der nächsten 5 Jahre Probleme bekommen.“

Nun, ob es 5 oder 10 Jahre werden lassen wir einmal dahingestellt. Aber Herr Berg hat sicher damit Recht, dass Deutschland sich gewaltig auf die Hinterfüße stellen muss, um international mitzuhalten. Zwei Dinge allerdings bezweifle ich, erstens, dass es Deutschland gelingt, innerhalb 5 Jahren eine solche Beschleunigung durchzuführen. Dies ist uns Deutschen einfach nicht gegeben.

Zweitens, dass das absolute Hören auf Digital Natives das Allheilmittel ist. Jugendwahn gab es schon früher und die Diskussion hierüber ist immer noch vorhanden. Was daraus geworden ist, kann man an der Diskussion über ältere Bewerber, das beginnt ab 40, wenn diese Menschen noch 27 Jahre arbeiten müssen und noch nicht einmal die Hälfte ihres Berufslebens hinter sich gelassen haben, sehen.

Was wichtig ist, ist der Wandel im Kopf, dass Veränderung notwendig ist. Und hierzu heißt es auch sich mit den Anforderungen von Digital Natives auseinanderzusetzen. Was es aber nicht heißt, alles von nun an über Bord zu werfen. Sinnvoll kombinieren, das Beste aus beiden, das wäre für mich die Lösung. Wenn uns das nicht gelingt, wird es ein Deutschland 2.0 nicht geben, sondern wohl nur ein Deutschland 1.5 verbleiben.

Die Zeiten sind spannend.

Zitate entnommen aus den VDI-Nachrichten Nr. 8 2010, vom 26.02.2010, Deutsche Industrie legt Wert auf bessere IT-Basiskenntnisse

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